- Biologisches Geschlecht: Beim Menschen ist der Körper mit der Ausbildung der primären Geschlechtsorgane, also die Anatomie, für die Zuordnung zu einem biologischen Geschlecht entscheidend. Das biologische Geschlecht bei Säugetieren – und damit auch beim Menschen – wird genetisch, chromosomal und hormonell bestimmt. Das biologische Geschlecht ist letztlich ein Ergebnis der Evolution.
- Binär: Die sexuelle Orientierung, die «Geschlechtsidentität» und auch die Geschlechterrollen gehen von der Zweigeschlechtlichkeit aus, deshalb könnte man auch abstrakt von einem «binären System» sprechen. Eine Person, die sich weder als Mann noch als Frau fühlt, kann sich selber als «non-binär» bezeichnen. Die Bezeichnungen «binär» bzw. «non-binär» werden hauptsächlich von AktivistInnen der Queerbewegung gebraucht; es handelt sich um Bezeichnungen, die beschreiben sollen, welche Rolle man spielen will oder wie man sich fühlt; damit wird kein Geschlecht beschrieben und auch keine sexuelle Orientierung.
- «Drittes Geschlecht»: Ich verwende diese Bezeichnung nicht, denn sie suggeriert, dass – neben männlich und weiblich – im Lauf der Evolution noch ein weiteres biologisches Geschlecht entstanden sei. Dies ist jedoch nicht der Fall. Was oft mit dem Verweis auf ein «drittes Geschlecht» gemeint ist, sind religiöse Funktionen bzw. soziale Rollen, die Menschen – anstelle von Männer- oder Frauenrollen – einnehmen können. Diese zusätzlichen Rollen können einen akzeptierten Sozialstatus haben.
- «Gender»: Begriff aus dem Englischen, mit dem ursprünglich die Geschlechterrolle, also das sogenannte «soziale Geschlecht», aber auch die «Geschlechtsidentität» bezeichnet wurde (in Abgrenzung zum biologischen Geschlecht, engl. Sex). Der Begriff wird heute sehr unterschiedlich gebraucht, vgl. Gendertheorie. Ich verwende den Begriff bewusst nicht mehr, da er nur Unklarheiten schafft.
- Gender Studies: In den 1990er Jahren etablierte Lehrgänge an Universitäten, die sich im Sinne der damaligen Frauenbewegung der Bewusstmachung von mangelnder Gleichstellung zwischen Mann und Frau widmen. Heute werden auch viele Bemühungen von AktivistInnen der sogenannten Queerbewegung unter Gender Studies subsummiert. Gender Studies haben neben wissenschaftlichen Hintergründen auch Ansätze, die parteilich sind und von sozialen Bewegungen stammen, vgl. «Gendertheorie».
- «Gendertheorie»: Bei der «Gendertheorie» handelt es sich nicht um eine wissenschaftliche Theorie, sondern um einen vieldiskutierten philosophischen Ansatz aus der Frauenbewegung. Der zentrale Begriff «gender» ist nicht eindeutig definiert. «Gender» wird heute fast unterschiedslos für biologisches Geschlecht, «Geschlechtsidentität» und Geschlechterrolle gebraucht.
- Geschlechtsidentität oder «Geschlechtsidentität»:
1 Teil der Identität, die ein Mensch im Lauf seines Lebens entwickelt. Unbewusster Vorgang der Annahme der eigenen Leiblichkeit, der in extrem seltenen Fällen aus noch unbekannten Gründen schief gehen kann. In diesem Fall verwende ich den Begriff ohne Anführungszeichen.
2 gefühlte oder behauptete Identifizierung mit einer Geschlechterrolle, die nicht mit der gegebenen Leiblichkeit übereinstimmt – bewusster Vorgang. In diesem Fall setze ich «Geschlechtsidentität» in Anführungszeichen, denn er bezeichnet nichts Objektives. Das ist unter anderem daran ersichtlich, dass im Englischen von «gender identity» die Rede ist. Damit wird ausgeschlossen, dass es sich um den unter a) beschriebenen Vorgang handelt. Denn dann müsste es «sex identity» heissen. - Geschlechtsinkongruenz (Geschlechtsidentitätsstörung, Geschlechtsdysphorie): Personen, die sich trotz ihres männlichen Körpers als Frau fühlen bzw. Personen, die sich trotz ihrer weiblichen Anatomie als Mann fühlen, haben eine Geschlechtsinkongruenz.
- Geschlechterrolle (soziales Geschlecht): Die soziale Dimension des biologischen Geschlechts. Man spricht auch von kulturell geprägter Geschlechterrolle. Es gibt zwar auch beim Menschen eine biologische Grundlage für die Geschlechterrollen, aber diese ist von relativ geringer Bedeutung für die gesamte Ausprägung des sozialen Geschlechts.
- Geschlechtervarianten: Empirischer Befund, dass ein kleiner Teil der Menschen, die jährlich geboren werden, anatomische Besonderheiten im Bereich der Geschlechtsorgane und /oder kein eindeutiges biologisches Geschlecht aufweisen. Man spricht auch von intersexuellen Menschen. Einige dieser Varianten werden erst in oder nach der Pubertät sichtbar. Bei vielen Varianten hat man Abweichungen im Bereich der Chromosomen, der Gene und/oder im Hormonhaushalt gefunden.
- «Heteronormativität»: Dieser Begriff suggeriert, die Zweigeschlechtlichkeit beim Menschen sei letztlich eine Ideologie, die man überwinden müsse. Dies ist wissenschaftlich klar widerlegt. Dass sich die Mehrheit der Menschen eindeutig als Frauen oder Männer fühlen und heterosexuelle Beziehungen eingehen, ist keine Folge irgendeiner Ideologie, sondern eine Konsequenz der biologischen Grundlagen des Menschseins. Auch Kulturen, die besondere Geschlechterrollen kennen, haben keineswegs ein System, das die Zweigeschlechtlichkeit überwindet oder die Wichtigkeit der Kategorien «Frau» und «Mann» leugnet.
- Matrizentrische Gesellschaften: In nicht patriarchalen Kulturen ist die Hierarchisierung und Ungleichverteilung von Macht schwach ausgeprägt. Sorgen Gesellschaften, in denen Mütter im Zentrum stehen, für ein Gleichgewicht zwischen männlichen und weiblichen Interessen, spricht man auch von Gesellschaften in Balance. Ethnologische und archäologische Forschungen weisen darauf hin, dass heutige Patriarchate aus nichtpatriarchalen Gesellschaften hervorgingen, wie Carola Meier-Seethaler in «Ursprünge und Befreiungen» 1988/2011 darlegt. Somit ist die Hypothese plausibel, dass die matrizentrische Organisation die ursprünglichere ist als die patriarchale. Nach allem, was wir bisher wissen, ist die Annahme, dass unsere menschlichen Vorfahren in einer Gesellschaft gelebt haben, in der die Abstammung nach der Mutter zählte und keine Dominanz durch Männer geherrscht hat, mit Befunden aus der Evolutionsbiologie vereinbar.
- Polarisierung der Geschlechterrollen: Die Behauptung, die Welt sei in einen männlichen und in einen weiblichen Pol gegliedert, ist eine patriarchale Ideologie, die in vielen patriarchalen Kulturen, so auch in den westlichen Gesellschaften, eine wichtige Rolle spielt. Diese Ideologie prägt sehr oft nicht nur die Theologie und das Recht, sondern ebenso die Philosophie und alle Wissenschaften. Oft sind Kulturen mit polarisierten Geschlechterrollen auch sehr intolerant gegenüber Abweichungen, insbesondere, wenn das weibliche Geschlecht männliche Rollen übernimmt oder wenn Machtverhältnisse in Frage gestellt werden.
- Transpersonen: Erstens Menschen, die den Wunsch haben, ihr Geschlecht zu ändern und eine entsprechende Hormontherapie und/oder Operation machen lassen. Zweitens Menschen, die ihr Geschlecht ändern wollen, aber keine Operation wünschen. Frauen, die als Männer gelten möchten, nennen sich «Transmänner», Männer, die als Frauen gelten möchten, nennen sich «Transfrauen». Diese Bezeichnungen sind in modernen westlichen Gesellschaften üblich geworden. Andere Kulturen benützen andere Ausdrücke.
- Transsexualität: Dieser Begriff bezeichnet das Phänomen, dass es sehr selten Personen gibt, bei denen der Wunsch, «im anderen Geschlecht» zu leben, sehr stark ist. Alexander Korte verwendet den Begriff im medizinischen Sinn. TransaktivistInnen lehnen den Begriff ab.
- Queer: Sammelbegriff für Menschen, die sich in Bezug auf ihr Geschlecht, ihre Geschlechterrolle oder ihre sexuelle Orientierung als «divers» empfinden. Wie «gender» wird auch der Begriff «queer» nie genau definiert. Historisch geht der Ausdruck «queer» auf AktivistInnen aus den USA der 1960er Jahre zurück, die aus den mittelständischen Organisationen von Schwulen und Lesben ausgeschlossen wurden (weil sie People of Color, Transmenschen oder verarmte Obdachlose waren).
- «Queertheorie»: Die BegründerInnen der «Queertheorie» erklärten, dass sie die Unzulänglichkeiten der «Gendertheorie» überwinden möchten. Auch bei der «Queertheorie» handelt es sich um einen parteilichen Ansatz – nicht um eine anerkannte, wissenschaftliche Theorie.
Martina C. Meier